Ocean Acidification
Leben und arbeiten an Bord eines Forschungsschiffs
Für mich ist es meine erste Seereise, das erste Mal länger als nur einen Tag auf dem Meer. Und ja, die Labradorsee ist vielleicht nicht unbedingt der einfachste Ort für den Einstieg. Wie viele andere wurde ich in der ersten Nacht ordentlich seekrank. Die starken Bewegungen der Maria S. Merian bei diesen rauen Bedingungen waren anfangs wirklich herausfordernd. Doch nach ein paar anstrengenden Stunden, viel Schlaf und einigen wetterbedingten Arbeitspausen gewöhnte man sich langsam an das ständige Schaukeln und der Bord Alltag konnte beginnen.
Wie beschreibt man das Leben auf einem Forschungsschiff für jemanden, der das noch nie erlebt hat?
Grundlegendes zuerst – das tägliche Leben an Bord:
Essen:
Für Verpflegung ist bestens gesorgt: Frühstück gibt es um 7:30 Uhr, Mittagessen um 11:30 Uhr und Abendessen bereits um 17:30 Uhr. Zusätzlich steht rund um die Uhr ein kleiner Kühlschrank mit Snacks bereit, niemand muss hier hungrig bleiben.
Schlaf:
Guter Schlaf ist zwar nicht immer garantiert, aber man lernt schnell, sich anzupassen. Die meisten Wissenschaftler schlafen in Zweierkabinen mit eigener Nasszelle. Wer Nachtschicht hat, lebt ohnehin in einem anderen Rhythmus. Ein hilfreicher Tipp von einem erfahrenen Seebären: Einfach eine Decke unter eine Seite der Matratze legen, um eine kleine Kuhle zu formen so rollt man nicht ständig hin und her. Mein persönlicher Trick: auf dem Bauch schlafen und sich mit Ellbogen und Knien stabilisieren. So kann man selbst bei starkem Seegang und 11 Windstärken erstaunlich gut schlafen, fast „wie in Mamas Arm“, wie Sascha sagen würde.
Freizeit an Bord:
Allein ist man hier selten, und das ist auch gut so. In den Laboren ist eigentlich immer etwas los, besonders im CTD-Labor, das schnell zum sozialen Mittelpunkt wird. Unser Fahrtleiter Fehmi hat sich vorgenommen, einen neuen CTD-Rekord aufzustellen, was uns viel Zeit dort verbringen lässt, zur Freude der einen und zur Herausforderung für unsere Chemiker.
Abends trifft man sich häufig im Hangar oder in der Messe, um gemeinsam den Tag mit einem Feierabendgetränk ausklingen zu lassen. Ein Highlight ist unser „Echtzeit-Werwolf“-Spiel: Vor ein paar Tagen wurden die Rollen verteilt, und seitdem wird jede Nacht jemand „eliminiert“. Tagsüber wird dann gemeinsam diskutiert und abgestimmt. Aktuell schlagen sich die „Schiffbewohner“ ziemlich gut – nach drei Tagen sind bereits drei Werwölfe enttarnt. Wir bleiben gespannt für wen es heute der letzte Sonnenaufgang war.
Sport und Ausgleich:
Wer sich bewegen möchte, kann den kleinen Sportraum Richtung Bug nutzen, ausgestattet mit Gewichten, Fahrrad, Rudergerät und sogar einem Laufband (auch wenn das bei Seegang durchaus Mut erfordert). Alle drei Tage gibt es außerdem ein Zirkeltraining unter Anleitung von Sven, unserem Chief Engineer. Danach lädt die Sauna zur wohlverdienten Entspannung ein.
Arbeiten auf dem Schiff:
Auch wenn man es sich anders vorstellt: Den Großteil der Zeit verbringt man tatsächlich im Inneren des Schiffs. Das liegt vor allem an den oft rauen Wetterbedingungen. Gearbeitet wird in verschiedenen Laboren oder, wenn möglich, an Deck zum Auswerfen und Einholen der Verankerungen sowie Gliedern.
Im Chemielabor werden Proben analysiert, während in anderen Bereichen Geräte vorbereitet, Daten ausgewertet und die nächsten Schritte geplant werden. Ein zentraler Bestandteil ist die Arbeit mit der CTD, also das Messen von Leitfähigkeit, Temperatur und Tiefe im Wasser.
Natürlich läuft nicht immer alles reibungslos. Wenn beim Aussetzen einer Verankerung ein Gerät nicht funktioniert, muss die gesamte Konstruktion wieder eingeholt, repariert und neu ausgebracht werden. In solchen Momenten ist gute Stimmung entscheidend, meine Empfehlung: einfach mal spontan Macarena tanzen. Das kann Wunder bewirken.
Trotz der intensiven Arbeit ist es genau diese Mischung aus Teamarbeit, gemeinsamen Herausforderungen und spontanen Momenten, die das Leben an Bord so besonders macht. Das gemeinsame Rätseln im CTD-Labor und die Planung unter wechselnden Wetterbedingungen, all das schweißt zusammen.
Nach drei Wochen wird das Schiff mehr als nur ein Arbeitsplatz, es wird zu einem kleinen, schwimmenden Zuhause auf Zeit.
Life and Work on Board a Research Vessel
This is my (Julia Pelle) first sea voyage, my first time spending more than just a day out on the ocean. And yes, the Labrador Sea might not be the easiest place to start. Like many others, I got properly seasick on the first night. The movement of the Maria S. Merian in such rough conditions were definitely challenging at first. But after a few exhausting hours, plenty of sleep, and some weather-related work delays, I gradually got used to the constant motion. Just like that, everyday life on board began.
So how do you describe life on a research vessel to someone who has never experienced it?
Let’s start with the basics, the daily routine on board:
Food:
Catering is excellent: breakfast is served at 7:30 a.m., lunch at 11:30 a.m., and dinner as early as 5:30 p.m. In addition, there is a small fridge stocked with snacks available 24/7 so no one goes hungry.
Sleep:
Good sleep is not always guaranteed, but you quickly learn to adapt. Most scientists share double cabins with a shared bathroom. Those on night shifts naturally switch their day and night. A helpful tip from an experienced sailor: place a blanket under one side of your mattress to create a small dip this helps keep you from rolling around. My personal trick is to sleep on my stomach and stabilize myself with elbows and knees. That way, even in strong winds and heavy seas, I can sleep surprisingly well almost “like being held by your mom,” as Sascha would say.
Free time on board:
You are rarely alone here and that’s a good thing. There is almost always something going on in the labs, especially in the CTD lab, which quickly becomes a social hub. Our chief scientist, Fehmi, is aiming to break a new CTD record, which means we spend a lot of time there to the delight of some and the challenge of our chemists.
In the evenings, people often gather in the hangar or the mess room to wind down with a drink after work. One highlight is our “real-time Werewolf” game: roles were assigned a few days ago, and since then, one person is “eliminated” each night. During the day, everyone debates and votes. So far, the “ship community” is doing quite well after three days, three werewolves have already been identified. We’re curious to see for whom today’s sunrise will be the last.
Sports and relaxation:
For those who want to stay active, there is a small gym near the bow, equipped with weights, a bike, a rowing machine, and even a treadmill though using it in rough seas requires a bit of courage. Every three days, there is also a circuit training session led by Sven, our Chief Engineer. Afterwards, the sauna offers a perfect way to relax.
Working on the ship:
Even though you might imagine otherwise, most of the time is actually spent inside the ship, mainly due to the often harsh weather conditions. Work takes place in various laboratories or, when possible, on deck deploying and recovering moorings and equipment.
In the chemistry lab, samples are processed, while in other labs instruments are prepared, data is analysed, and plans for the coming days are made. A central part of the work is the CTD, which measures conductivity, temperature, and depth in the water.
Of course, things don’t always go smoothly. If a device fails while deploying a mooring, the entire setup has to be recovered, repaired, and redeployed. In moments like these, keeping a good mood is essential my recommendation: just dance the Macarena. It works surprisingly well.
Despite the demanding workload, it is exactly this mix of teamwork, shared challenges, and spontaneous moments that makes life on board so special. Figuring things out together in the CTD lab and planning around constantly changing weather conditions. All of this brings people closer together.
After three weeks, the ship becomes more than just a workplace it turns into a small, floating home.